KI ist in Unternehmen angekommen, aber noch nicht in der Tiefe

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KI ist in Unternehmen angekommen, aber ihre breite Verbreitung sagt wenig über ihre Prozessreife. In Produktionsabläufen bleibt die Nutzung derzeit deutlich hinter kunden- und kommunikationsnahen Bereichen zurück. Der konkrete Aufwand liegt bei Daten, Systemen, Rechenkapazität und klaren Regeln im laufenden Betrieb.

KI wird in deutschen Unternehmen inzwischen breit eingesetzt. Die Befragung des Bitkom zeigt jedoch einen deutlichen Abstand zwischen allgemeiner Nutzung und einer tiefen Verankerung in Prozessen. Gerade für Produktionsabläufe ist das entscheidend, weil die Verbreitung allein noch nichts über die praktische Wirkung aussagt.

57 Prozent der befragten Unternehmen setzen 2026 KI ein. Im Vorjahr waren es 36 Prozent, zwei Jahre zuvor 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Damit ist KI in der Breite der deutschen Wirtschaft angekommen. Die Zahl beschreibt allerdings zunächst eine Entscheidung für den Einsatz, nicht dessen Reife oder wirtschaftliche Bedeutung.

Das zeigt die Selbsteinschätzung der Unternehmen deutlich. Kein Unternehmen mit KI-Einsatz bewertet sein Potenzial als vollständig ausgeschöpft. Nur 3 Prozent stufen die Nutzung als eher stark ein. 28 Prozent bewerten sie als eher gering, 59 Prozent schöpfen das Potenzial nach eigener Einschätzung überhaupt nicht aus. Die zentrale Entwicklung besteht deshalb nicht mehr darin, ob Unternehmen KI einsetzen. Entscheidend wird, wie weit sie damit in ihre Abläufe vordringen.

Die breite Nutzung sagt wenig über die Tiefe im Prozess

Am häufigsten kommt KI im Kundenkontakt zum Einsatz. 72 Prozent der Unternehmen mit KI-Nutzung verwenden sie dort, etwa zur Bearbeitung von Anfragen. 54 Prozent setzen KI in Marketing und Kommunikation ein. Diese Anwendungsfelder liegen deutlich vor internen Unternehmensbereichen und der Produktion.

In Produktionsabläufen nutzen 22 Prozent der KI einsetzenden Unternehmen die Technologie. In Forschung und Entwicklung sind es 16 Prozent. Die Befragung erfasst Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus der gesamten deutschen Wirtschaft. Die 22 Prozent sind deshalb keine Kennzahl für Industrieunternehmen allein und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den industriellen Mittelstand übertragen.

Trotzdem ist der Abstand zu kunden- und kommunikationsnahen Bereichen aussagekräftig. KI verbreitet sich offenbar zuerst dort, wo sie in klar abgrenzbaren Tätigkeiten eingesetzt werden kann. Die Befragung benennt jedoch keine Ursachen für diesen Unterschied. Aussagen über besondere technische Schwierigkeiten in der Produktion wären aus den Zahlen allein nicht ableitbar. Sicher ist nur, dass die Nutzung in Produktionsabläufen deutlich weniger verbreitet ist als im Kundenkontakt.

Gleichzeitig zeigen die Zahlen eine Bewegung in Richtung interner Prozesse. Im Wissensmanagement stieg die Nutzung von 11 auf 22 Prozent, in eigenen Produkten und Dienstleistungen von 12 auf 20 Prozent. Vertrieb und IT-Abteilung legten ebenfalls zu. Diese Entwicklung macht den Unterschied zwischen einer einzelnen Anwendung und einer breiteren Einbindung in die Unternehmensarbeit sichtbar. Die Unternehmen beginnen, KI über kommunikative Aufgaben hinaus einzusetzen, ohne damit bereits einen hohen Reifegrad zu erreichen.

Der Aufwand entsteht dort, wo KI in Abläufe eingebunden wird

Die Kostenangaben verschieben den Blick weg von der Lizenz. 51 Prozent der KI-Anwender nennen Cloud- und Recheninfrastruktur als großen Kostenpunkt. 50 Prozent nennen die Aufbereitung von Daten, 41 Prozent die Integration in bestehende Systeme. Software-Abonnements und Lizenzen werden dagegen nur von 21 Prozent als großer Kostenpunkt genannt. Externe Beratung liegt ebenfalls bei 21 Prozent, Schulungen bei 19 Prozent.

Damit beschreibt die Erhebung eine praktische Grenze der verbreiteten KI-Nutzung. Der Aufwand liegt häufig dort, wo die Technologie mit vorhandenen Informationen und Systemen verbunden werden soll. Ein Modell allein verändert keinen Unternehmensprozess. Die Datenaufbereitung, die technische Einbettung und die benötigte Rechenkapazität machen einen erheblichen Teil des Aufwands aus. Das ist keine technische Nebensache, sondern prägt die Kostenentscheidung.

Auch bei den genannten Hürden verändert sich das Bild mit dem Einstieg. Unternehmen ohne KI nennen zu 85 Prozent fehlendes technisches Implementierungswissen. Rechtliche Unsicherheiten, schwer kalkulierbare Kosten und fehlende personelle Ressourcen folgen. Bei Unternehmen mit KI-Erfahrung stehen dagegen Datenschutzanforderungen mit 66 Prozent an erster Stelle. 56 Prozent nennen rechtliche Unsicherheit, 54 Prozent schwer kalkulierbare Kosten und 45 Prozent die Sorge, dass Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen.

Diese Verschiebung liefert einen wichtigen Befund. Vor dem Einsatz steht die Frage, wie ein Vorhaben technisch umgesetzt werden kann. Nach dem Einstieg rücken die Bedingungen des laufenden Einsatzes stärker in den Vordergrund. Die Erhebung beweist damit keine bestimmte Ursache für gescheiterte oder langsame Projekte. Sie zeigt jedoch, dass praktische KI-Nutzung mit anderen Bewertungsmaßstäben verbunden ist als die grundsätzliche Entscheidung, eine Anwendung zu testen.

Agenten machen die fehlende Tiefe sichtbar

Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei KI-Agenten. 11 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen oder ihren Einsatz planen beziehungsweise diskutieren, setzen solche Agenten bereits ein. 29 Prozent planen den Einsatz, 31 Prozent diskutieren ihn. Bitkom verbindet diese Systeme mit verlässlichen Daten, verbundenen Systemen und klaren Regeln für erlaubte und nicht erlaubte Aktionen.

Damit unterscheidet sich ein Agent von einer Anwendung, die lediglich Inhalte erzeugt oder Informationen ausgibt. Ein Agent soll auf Grundlage vorhandener Informationen eigenständig handeln. Die Quelle beschreibt nicht, in welchen Produktionsprozessen solche Systeme eingesetzt werden. Sie macht jedoch deutlich, dass der technische Anspruch mit dem Handlungsspielraum steigt. Datenverfügbarkeit, Systemverbindungen und festgelegte Grenzen werden dann zu konkreten Voraussetzungen.

Der aktuelle Stand bleibt entsprechend vorläufig. Die Mehrheit der Unternehmen nutzt KI, doch 59 Prozent der Anwender schöpfen ihr Potenzial nach eigener Einschätzung überhaupt nicht aus. Zugleich berichten 48 Prozent von beschleunigten internen Prozessen, 40 Prozent von verbesserter Qualität und 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Diese Werte beruhen auf Einschätzungen der befragten Unternehmen. Sie zeigen wahrgenommene Effekte, ersetzen aber keine einheitliche Messung über verschiedene Anwendungen hinweg.

Für Produktionsabläufe folgt daraus eine nüchterne Einordnung. Die 22 Prozent Nutzung markieren eine reale Bewegung, aber keinen Beleg für eine breite industrielle Durchdringung. Entscheidend ist weniger die bloße Einführung einer KI-Anwendung als die Qualität ihrer Einbindung in den jeweiligen Prozess. Die Befragung legt nahe, dass genau dort der Abstand zwischen Nutzung und ausgeschöpftem Potenzial entsteht. KI ist in Unternehmen angekommen. Ihre praktische Reife zeigt sich erst daran, wie verlässlich Daten, Systeme und erlaubte Aktionen zusammenwirken.

Quelle: Bitkom e. V., Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“